Naunhof. Ein Norweger, der in Leipzig wohnt und studiert und der in Naunhof die Ladegastorgel spielt - für die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde und das Musikleben in der Parthestadt bleibt das keine einmalige Begegnung: Espen Melbö, gebürtiger Lillehammerer, ist jetzt in Naunhof zum neuen Kantor berufen worden. LVZ sprach mit dem 29-Jährigen, der in Oslo und Kopenhagen ein Kirchenmusikstudium absolviert hat, der 2006 nach Leipzig an die Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" gekommen ist, um bei Professor Stefan Engels zu studieren und der zurzeit in Leipzig vor dem Abschluss eines Meisterklasse-Aufbaustudiums steht.
Frage: Was hat Sie nach Leipzig gezogen?
Espen Melbö: Leipzig hat einen internationalen Ruf als traditionsreiche Musikstadt, als Wirkungsstätte unter anderem von Bach, Mendelssohn und Reger. Auf Organisten sowie auf Musiker im Allgemeinen übt Leipzig als Kulturzentrum große Anziehungskraft aus. Auch ich konnte und wollte mich ihr nicht entziehen. Für mich war es zum Beispiel ein Traum, die Thomaskirche mit ihren einzigartigen Orgeln einmal kennenzulernen. Und ich fühle mich in Leipzig sehr wohl, auch weil ich hier in internationalem Umfeld viele sympathische Menschen kennengelernt habe. Die Stadt ist für mich eine Inspirationsquelle. So sind aus einem ursprünglich geplantem Halbjahres-Aufenthalt mittlerweile fast sechs Jahre geworden. Ein Ende ist nicht abzusehen.
Zumal Sie sich nun mit Erfolg für die Kantorenstelle in Naunhof beworben haben. Wie kam denn das?
Ehrlich gesagt hatte ich von Naunhof in Leipzig zunächst nicht sehr viel mitbekommen. Leipzig selbst geizt ja nicht mit kulturellen Reizen. Aber dann bin ich wiederholt darauf aufmerksam geworden, wie sich in Naunhof Kirchgemeinde, Förderverein und eine große Öffentlichkeit für die Rekonstruktion der historischen Ladegastorgel engagierten. Das hat mein Interesse für die Orgel, für die Kirche und die Stadt geweckt. So bin ich eines sonnigen Tages im letzten Sommer nach Naunhof gefahren. Die Kirche stand offen und jemand spielte die Orgel. Das waren Klänge, die mich anzogen. Ich durfte damals schon mal ein paar Töne spielen und war sofort beeindruckt. Ich habe gespürt, dass ich da auf etwas Außergewöhnliches getroffen bin. Das betrifft auch, wie ich jetzt weiß, die Verbundenheit der Naunhofer mit der Orgel und dem gesamten kirchenmusikalischen Geschehen, das hier sehr gegenwärtig ist.
Nun sind Sie Kantor in Naunhof geworden - mit welchen Erwartungen?
Ich glaube, es gibt hier viel zu lernen und zu entdecken und es gibt ein kirchenmusikalisches Umfeld, in dem es Spaß macht, eigene Ideen einzubringen und zu erproben.
Ich sehe mit großem Respekt, was Kantor Marcus Friedrich in den vergangenen Jahren hier geleistet hat. Daran will ich anknüpfen und eigene Akzente setzen. Dabei denke ich beispielsweise auch an eine künftige enge Zusammenarbeit mit der Leipziger Hochschule für Musik und Theater. Mit einem Satz: Kantor in Naunhof ist für mich eine Herausforderung, der ich mich gern stelle. Interview: Andreas Läbe
(Foto: Andreas Röse)